Aufbau der Stimme mit der richtigen Gesangstechnik – Teil 5 Wie kann ich mich als (Profi-) Sänger*In verbessern?

Sei es als SängerIn in einer Rock-Band, als Jazz-SängerIn, ChorsängerIn, Musical-SängerIn, SängerIn klassischen Repertoires oder auch als SchauspielerIn und SprecherIn, in jedem dieser professionellen oder semi-professionelen Bereiche muss die Stimme hohen Anforderungen gerecht werden.

Das Wichtigste, um die (professionelle) Singstimme auf Top-Niveau zu bringen oder zu halten, ist, darauf zu achten, sie immer wieder in Balance zu bringen. Viele anstrengende Proben oder Touren, Singen mit schlechter Soundanlage oder lauter Band, unter Stress und Nervosität, lassen die Stimme mehr oder weniger schnell ermüden. Man merkt dass man heißer wird, die Kraft der Stimme nachlässt, die Höhe oder Tiefe fehlt und wird unzufrieden. Oder es fehlt generell an Kraft in der Höhe, an Ausdauer, man fühlt einen Bruch in der Stimme oder muss anfangen, die Stimme nach unten oder oben zu drücken, um stark genug zu sein.

 

Die richtige Gesangstechnik und kontinuierliche Kontrolle von außen bringen die Stimme (wieder) in Balance. Vielleicht singst du generell mit zu wenig Bruststimme. Vor allem in klassischen Gesangsstilen wird wenig Fokus darauf gelegt, ob die Bruststimme genügend involviert ist. Und auch um klassische Musik zu singen, ist Bruststimme notwendig!

Oder du hast die Tendenz, als RockmusikerIn die Bruststimme viel zu hoch zu bringen, was auf Dauer auch schädlich sein kann. Andere entscheidende Themen sind die Verwendung von zu vielen äußeren Muskeln, die beim Singen beteiligt sind, oder eine manipulierte Kehlkopfposition (zu hoch oder zu tief).

 

Das Ziel in unserem Gesangsunterricht ist, zunächst die Bruststimme anzuhören (zu leicht, zu schwer), sowie die Verbindung zur Kopfstimme. Die Bruststimme geht bei einem trainierten Sänger nicht direkt in die Kopfstimme über (das wäre dann keine Verbindung), sondern muss vor dem 1. Registerübergang (oder Passagio, oder Bridge) ausdünnen. Das Ziel ist, ab dem 1. Registerübergang im MIX zu singen. Das heißt also ein Mix aus Brust- und Kopfstimme.

Je höher man singt, desto mehr Anteil an Kopfstimme ist natürlich dabei.

Wir verwenden Übungen aus einer Kombination von Vokalen und Konsonanten, die eine bestimmte Funktion bei den Stimmbändern hervorrufen oder die die Kehlkopfposition beeinflussen, und so genannte unfinished sounds. Siehe dazu auch meine Blogs über „Die Grundlagen“, über „Die Arbeit mit Vokalen und Konsonanten“ und über „MIX“.

 

Selbstverständlich gibt es auch stilistische Unterschiede, wie hoch der Anteil an Bruststimme ist. Ein Rocksänger braucht sicherlich mehr als ein klassischer Chorsänger. Diese technische Stimmarbeit betrifft sowohl Stimmübungen, als auch die Arbeit am Lied oder Song.

Mit einem Sänger, der gut „mixen“ kann, kann man dann weitere Punkte angehen: Dynamik, Vibrato, Stilmittel, Ausdruck von Emotionen, Textinterpretation, und auf die künstlerische Performance gehen.

 

Unentbehrlich ist dabei die Kontrolle von außen, also von einem Gesangslehrer, sowie das Sich-Selbst-Aufnehmen und Anhören und Üben mit Aufnahmen. Die Unterschiede sind meistens von außen leichter wahrzunehmen. Oder auch im Gegenteil, manches, was sich für einen extrem anders und komisch anfühlt (z.B. mit mehr Bruststimme zu singen), ist von außen gar nicht als ein solch riesiger Unterschied zu hören, sondern als Verbesserung wahrnehmbar.